Seit der Eröffnung 1996 begleitet der Kirchhellener Architekt Norbert Ryvola die Entwicklung des Movie Parks. Zum 30-jährigen Bestehen blickt er auf Projekte, Erinnerungen und eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte zurück.

Wenn Norbert Ryvola mit seinen Enkeln durch den Movie Park spaziert, ist das für ihn mehr als ein Familienausflug. Hinter den Fassaden, Gebäuden und Attraktionen steckt ein Stück seiner eigenen Geschichte. Tatsächlich kennt kaum jemand den Freizeitpark in Feldhausen so gut wie er. Seit  nunmehr drei Jahrzehnten begleitet der Architekt aus Kirchhellen die Entwicklung des Parks. Was 1993 mit einem überraschenden Anruf begann, wurde zu einem der prägendsten Projekte seines Lebens.

Von den ersten Abrissarbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Bavaria Filmparks über die Zeit der Warner Bros. Movie World bis hin zu modernen Großprojekten wie „Star Trek: Operation Enterprise“ oder der „Studio Tour“ war er dabei. Die Gebäude, die Besucher heute ganz selbstverständlich wahrnehmen, tragen seine Handschrift. Keine bauliche Entwicklung des Parks kam in den vergangenen drei Jahrzehnten ohne seine Beteiligung aus. Dabei hätte alles beinahe nie so stattgefunden.

Ein Anruf an einem Freitagnachmittag

Ryvola erinnert sich noch genau an den Moment, der sein Berufsleben verändern sollte. „Das war ein Freitagnachmittag“, erzählt er. Im Frühsommer 1993 klingelte das Telefon. Am anderen Ende der Leitung war Norbert Altenhöner, damals Geschäftsführer des Bavaria Filmparks. Der Park steckte in Schwierigkeiten, neue Investoren standen bereit und planten einen kompletten Neustart. Aus dem Filmpark sollte ein moderner Freizeitpark nach amerikanischem Vorbild werden. 

Gesucht wurde ein Architekt. Warum die Wahl ausgerechnet auf Norbert Ryvola fiel, weiß er bis heute nicht genau. Vielleicht lag es daran, dass sein Büro damals bereits mit computergestützter Planung arbeitete – zu einer Zeit, als viele Architekten noch am klassischen Zeichenbrett standen. Vielleicht hatte es sich herumgesprochen, dass der engagierte Architekt für neue Ideen offen war.

Begeistert war er zunächst jedenfalls nicht. „Eigentlich habe ich gesagt: Das mache ich nicht.“ Ein Freizeitpark? Achterbahnen? Filmkulissen? Themenwelten? Das hatte wenig mit den Projekten zu tun, die er bis dahin betreut hatte. Ryvola plante Wohngebiete, arbeitete im Städtebau und entwickelte klassische Bauprojekte. Zu seinen Arbeiten in Kirchhellen zählen unter anderem das Brauhaus am Ring sowie die Erweiterung des Vestischen Gymnasiums. Ein Filmpark war für ihn Neuland.

Doch dann meldete sich die wichtigste Beraterin seines Lebens zu Wort: seine Frau. „Sie hat gesagt: Das ist eine einmalige Chance. Wenn du das nicht machst, wirst du dich dein Leben lang darüber ärgern.“ Heute weiß er, dass sie recht hatte.

Seit den Anfängen der Warner Bros. Movie World begleitet Norbert Ryvola die Entwicklung des heutigen Movie Parks. Eine Zeichnung der damaligen Planungsmannschaft hängt in seinem Büro und erinnert den Architekten an die ersten Jahre des Freizeitparks. 

Der Sprung ins kalte Wasser 

Was danach folgte, beschreibt Ryvola rückblickend als Sprung ins kalte Wasser. Plötzlich arbeitete der Kirchhellener nicht mehr nur mit Bauherren und Handwerkern zusammen, sondern mit Freizeitpark-Experten aus aller Welt. Architekten aus Australien, Disney-Designer, Spezialisten aus den USA, Mexiko und Südamerika waren an den Planungen beteiligt. Mitten in diesem internationalen Team saß der Architekt aus Kirchhellen. „Da war ich nur ein kleines Rädchen“, sagt Ryvola bescheiden. Doch dieses kleine Rädchen wurde schnell zu einem wichtigen Teil der Maschine.

Australien als Vorbild 

Um den neuen Park zu entwickeln, reiste Ryvola sogar zweimal bis nach Australien. Dort stand die Warner Bros. Movie World an der Gold Coast Modell für das, was später in Kirchhellen entstehen sollte. Doch vieles ließ sich nicht einfach kopieren. Australien ist nicht Bottrop. „Wir hatten hier ganz andere Voraussetzungen“, erklärt Ryvola.

Während in Australien viele Kulissen aus Holz gebaut wurden, mussten die Gebäude in Deutschland Wind, Regen, Frost und den strengen europäischen Vorschriften standhalten. Zahlreiche Entwürfe wurden deshalb komplett neu gedacht. Selbst kleine Details führten zu kulturellen Missverständnissen. „Man hat sich gewundert, dass wir keinen Termitenschutz brauchen“, erinnert sich der 70-jährige schmunzelnd. 

Trotz aller Unterschiede entstand Schritt für Schritt der Masterplan für den neuen Park. Eine Main Street, Themenbereiche, Studios, Shows und Attraktionen sollten die Besucher künftig in die Welt des Films entführen.

Alles beginnt mit dem Abriss 

Bevor etwas Neues entstehen konnte, musste zunächst Altes verschwinden. „Das Erste, was wir gemacht haben, war einen Abbruchantrag zu stellen“, erzählt der Architekt. Große Teile des ehemaligen Bavaria Filmparks wurden zurückgebaut. Nur wenige Gebäude blieben erhalten. Eines davon steht bis heute im Park und wird mittlerweile für die Star Trek Achterbahn genutzt.

Danach begann die eigentliche Herausforderung: Aus Ideen mussten reale Gebäude werden. Ryvola plante Fassaden, Themenwelten und technische Anlagen. Er koordinierte Genehmigungen, arbeitete mit Ingenieuren zusammen und sorgte dafür, dass aus kreativen Visionen tatsächlich funktionierende Bauwerke wurden. Für Besucher wirkt ein Freizeitpark oft wie eine Kulisse. Für Architekten ist er dagegen ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Gestaltung, Technik, Sicherheit und Vorschriften.

Seit mehr als 30 Jahren gehört Norbert Ryvola zur Geschichte des Movie Parks. Viele Attraktionen und Gebäude des Freizeitparks entstanden mit seiner Unterstützung – und noch heute ist der 70-Jährige regelmäßig im Park unterwegs. 

Achterbahnen aus Draht 

Besonders gerne erinnert sich Ryvola an die Arbeit an den ersten großen Attraktionen des Parks. Heute werden Achterbahnen am Computer geplant und simuliert. Software berechnet jede Kurve, jede Beschleunigung und jeden Richtungswechsel. Anfang der 1990er-Jahre sah das noch ganz anders aus.

Die kreativen Köpfe hinter der damaligen Achterbahn „Lethal Weapon Pursuit“ entwickelten Verfolgungsjagden, Fahrelemente und spektakuläre Szenen zunächst mithilfe einfacher Drahtkonstruktionen. Gemeinsam mit internationalen Themenpark-Experten arbeitete Ryvola daran, diese Ideen in reale Gebäude und Kulissen zu übersetzen.

„Heute macht man das alles dreidimensional am Computer“, erinnert er sich. „Damals haben wir mit Drahtmodellen gearbeitet.“ Auf Grundlage dieser Entwürfe entstanden schließlich die Pläne für die Achterbahn. Die Herausforderung bestand dabei nicht allein in der Planung der Strecke. Rund um die Schienen mussten Gebäude entstehen, durch die die Züge später fuhren. Gleichzeitig galt es, Sicherheitsabstände, Statik, Fluchtwege und Besucherströme zu berücksichtigen.

Die Nacht mit dem Feuerschweif 

Fragt man Ryvola nach seinem schönsten Erlebnis im Movie Park, fallen ihm viele kleine Anekdoten ein. Aber ein Moment ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben: die Fertigstellung der Holzachterbahn Bandit. Nach der TÜV-Abnahme durfte das Projektteam die Bahn erstmals selbst testen. Ryvola nutzte die Gelegenheit und nahm seinen damals 14-jährigen Sohn Jan mit in den Park. Während die Erwachsenen die erfolgreiche Abnahme feierten, hatte der Junge vor allem ein Ziel: möglichst oft mit der neuen Achterbahn zu fahren. „Ich glaube, er hat an diesem Abend jeden Sitzplatz ausprobiert“, erinnert sich Ryvola schmunzelnd.

Besonders eindrucksvoll war die Fahrt in der Dämmerung. Durch die Bauzeit hatte sich auf den Schienen eine leichte Rostschicht gebildet. Als die Züge über die Strecke rasten, sprühten Funken. „Es sah aus, als würde die Bahn einen Feuerschweif hinter sich herziehen.“

Auch mehr als 25 Jahre später lächelt der Architekt, wenn er von diesem Moment erzählt. Die Holzachterbahn gehört bis heute zu seinen Lieblingsattraktionen im Park. Dass er selbst gerne Achterbahn fährt, überrascht daher kaum. Schließlich möchte er nicht nur planen, was Besucher begeistert, sondern es auch selbst erleben. Besonders stolz macht ihn bis heute, wenn er sieht, wie viel Freude die Attraktionen den Gästen bereiten.

Drei Jahrzehnte Movie Park 

Im Laufe der Jahre wurde Ryvola zu einer festen Größe im Park. Ob neue Gebäude, Umbauten oder Großprojekte – immer wieder war sein Fachwissen gefragt. Besonders bei Genehmigungen, Brandschutz, Statik und den komplexen Anforderungen moderner Freizeitattraktionen spielte seine Erfahrung eine wichtige Rolle. Zu den jüngsten Großprojekten zählen unter anderem „Star Trek: Operation Enterprise“, die „Movie Park Studio Tour“ und auch die 2026 eröffnete Paramount Attraktion „Journey to the Forbidden Chamber“.

Noch lange nicht fertig 

Mit 70 Jahren denken viele Menschen über den Ruhestand nach. Norbert Ryvola nicht. „Solange die Arbeit Spaß macht und der Park mich braucht, mache ich weiter“, sagt er. Auch Geschäftsführer Thorsten Backhaus schätzt die langjährige Zusammenarbeit und möchte weiterhin auf die Erfahrung des Kirchhelleners zurückgreifen. 

Geschäftsführer Thorsten Backhaus (r.) leitet den Movie Park seit 2014. Er schätzt die Erfahrung des Kirchhellener Architekten Norbert Ryvola (l.) und setzt auch bei künftigen Projekten auf dessen Expertise. 

Für Ryvola ist der Park längst mehr als nur ein Auftraggeber geworden. „Der Park hat einen Großteil meines Lebens begleitet“, sagt er. Und so wird man Norbert Ryvola auch künftig immer wieder im Movie Park begegnen. Vielleicht mit seinen Enkeln an der Hand, vielleicht auf dem Weg zur nächsten Baustelle. Schließlich gibt es noch viele Ideen für die Zukunft – und einen Architekten, der noch lange nicht daran denkt, aufzuhören.

30 Jahre Movie Park: Architekt Norbert Ryvola (l.) begleitet den Freizeitpark seit seinen Anfängen. Gemeinsam mit Geschäftsführer Thorsten Backhaus (r.) arbeitet er auch heute noch an der Weiterentwicklung des Parks. 

In Zusammenarbeit mit:
Julian Schäpertöns