Es gibt Abende, auf die man sich freut. Und es gibt jene, bei denen man schon beim Betreten des Raumes spürt, dass sie lange in Erinnerung bleiben werden. Fantissima gehört für uns seit vielen Jahren ganz klar zur zweiten Kategorie.

Seit mehr als sechzehn Jahren begleiten wir Deutschlands erfolgreichste Dinnershow nun schon. Umso faszinierender ist es, immer wieder zu erleben, wie konsequent sie sich weiterentwickelt. Denn obwohl Fantissima längst eine ganz eigene Handschrift besitzt, ruht man sich im Phantasialand offensichtlich nicht darauf aus. Stattdessen wird verändert, verfeinert, ausprobiert - und manchmal ganz bewusst mit Erwartungen gebrochen. In dieser Saison vielleicht deutlicher denn je.

Fantissima lädt euch dazu ein, den Alltag für einige Stunden hinter euch zu lassen und in Welten einzutauchen, die ihren eigenen Regeln folgen. Elegant, geheimnisvoll, futuristisch oder voller Leichtigkeit und Lebensfreude. Licht, Musik, Tanz und Kulinarik greifen so eng ineinander, dass die Grenzen einer klassischen Dinnershow zunehmend verschwimmen. Genau darin liegt auch 2026/27 eine der großen Stärken des Gesamterlebnisses.



Fantissima beginnt nicht mit dem ersten Ton. Das Erlebnis setzt bereits in dem Moment ein, in dem sich die Türen öffnen.

Das Theater wirkt elegant, modern und angenehm zurückhaltend. Helle Flächen treffen auf markante Schwarz-Weiß-Kontraste, funkelnde Kronleuchter auf klar gestaltete Lounge-Bereiche. Alles erscheint hochwertig, ohne je überladen zu wirken. Dazu die Bar mit Konzertflügel, gedämpftem Licht und einer Stimmung, bei der man automatisch einen Gang zurückschaltet.

Unser Tipp bleibt deshalb derselbe: Plant vor Beginn etwas zusätzliche Zeit ein. Bestellt euch einen Drink, setzt euch ins Foyer und genießt dieses kurze Innehalten, bevor das Programm startet. Denn Fantissima lebt nicht nur von dem, was später im Saal geschieht. Der Zauber setzt deutlich früher ein.

Eine Show, die sich nicht festlegen lässt

Fantissima in wenigen Worten zu erklären, war schon immer schwierig. In dieser Spielzeit wird es endgültig unmöglich.

Fünf große Showblöcke führen durch völlig unterschiedliche Welten und Stimmungen. Eleganz begegnet Mystik, futuristische Bilder treffen auf nostalgische Momente, große Emotionen auf ausgelassene Lebensfreude. Jeder Abschnitt entwickelt dabei seine eigene Sprache.

Die Wirkung entsteht mal durch opulente Bilder, mal durch kleine Gesten. Durch Tempo und Energie ebenso wie durch Ruhe und Konzentration. Gerade dieser ständige Wechsel verhindert, dass sich der Verlauf jemals vorhersehbar anfühlt. 

Das zeigt sich schon bei der Musik.

Viktoriia und Eugene erhalten Songs, die noch gezielter auf ihre Stimmen und Persönlichkeiten zugeschnitten sind. Auf dem Papier vielleicht nur eine kleine Veränderung, live jedoch deutlich spürbar. Beide können ihre individuellen Stärken stärker ausspielen, wirken präsenter und geben den musikalischen Passagen dadurch noch mehr Charakter.

Auch tänzerisch hat sich einiges getan.

Fantissima präsentiert sich in dieser Saison an mehreren Stellen temperamentvoller und feuriger. Besonders der Tango bleibt im Gedächtnis. Nähe, Präzision und Körpersprache erzeugen eine Spannung, die kaum zusätzliche Effekte benötigt. Jeder Schritt sitzt, jede Geste hat Gewicht - und dennoch bewahrt das Ganze eine erstaunliche Leichtigkeit.

Wenn die Bühne nicht mehr reicht

Dann folgt der vierte Showblock. Für uns ist er wahrscheinlich das deutlichste Beispiel dafür, in welche Richtung sich Fantissima künftig noch entwickeln kann.

Denn plötzlich genügt die Bühne nicht mehr.

Im Mittelpunkt steht eine aufwendig choreografierte Verbindung aus Tanz und Drohnen. Faszinierend ist dabei weniger die Technik für sich als die Selbstverständlichkeit, mit der sie Teil der Szene wird. Die Flugkörper dienen nicht bloß als zusätzlicher Effekt, sondern greifen Bewegungen auf, setzen Lichtakzente, verändern Formationen und treten beinahe in einen Dialog mit den Tänzerinnen und Tänzern.

Das Zusammenspiel ist so exakt abgestimmt, dass man irgendwann vergisst, über die Technik dahinter nachzudenken.

Dann funktioniert die Illusion.

Die Lichtpunkte bleiben nicht auf Distanz. Sie kommen näher, ziehen über das Publikum, schweben über den Köpfen der Gäste und erweitern die Szenerie bis in den Zuschauerraum.

Man schaut nicht mehr nur zu. Man befindet sich mitten darin.

Es ist einer dieser Augenblicke, die sich auf Fotos oder in Worten kaum vollständig einfangen lassen. Vielleicht sollte man deshalb auch gar nicht versuchen, jedes Detail vorwegzunehmen. Man muss es selbst erleben.

Welcome to the 80s

Als wäre das noch nicht genug, schlägt Fantissima kurz darauf erneut eine völlig andere Richtung ein. Plötzlich wird es bunt. Laut. Verspielt. Und vor allem: verdammt gut gelaunt.

Mit neuem Media Content und einer großen 80s-Sequenz bekommt der vierte Block eine Wendung, mit der wir so nicht gerechnet hätten. Vielleicht funktioniert sie gerade deshalb so hervorragend. Musik, Visuals und Choreografie verändern innerhalb weniger Sekunden die gesamte Stimmung. Aus Staunen wird Party, aus großer Ästhetik pure Lebensfreude. Man spürt förmlich, wie sich die Energie im Raum verändert.

Die 80s stehen Fantissima überraschend gut.

Gerade weil die Produktion hier bewusst mit ihrer sonst so eleganten, stellenweise mystischen Ästhetik bricht. Das wirkt frisch, etwas frecher und spürbar lockerer. Vor allem zeigt dieser Abschnitt, dass Fantissima keine Scheu davor hat, ungewohnte Wege einzuschlagen.

Veränderung gehört zum Konzept

Vielleicht ist genau das eine der spannendsten Erkenntnisse dieser Saison. Fantissima entwickelt sich weiter, ohne dafür alles Vertraute über Bord zu werfen. Stattdessen dient das eigene Fundament als Ausgangspunkt für neue Ideen.

Andere Tanzstile. Frische Formen von Media Content. Technische Elemente, die ungewohnte Perspektiven eröffnen. Musikalische Richtungen, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hätte.

Nichts davon wirkt aufgesetzt. Im Gegenteil: Die aktuellen Neuerungen machen sichtbar, wie viel Potenzial noch in diesem Konzept steckt. Fantissima hat schon immer von Präzision und Liebe zum Detail gelebt. In dieser Spielzeit tritt ein weiterer Aspekt noch deutlicher hervor: der Mut, Dinge anders anzugehen.

Zwischen all den Bildern, Stimmen und Bewegungen entfaltet sich noch eine zweite Dramaturgie - nicht auf der Bühne, sondern auf dem Teller.

Unter der Leitung von Nana David ist auch das aktuelle Menü eng mit dem Gesamtkonzept verzahnt. Vier Gänge begleiten die einzelnen Showblöcke und schaffen gezielt gesetzte Ruhepunkte zwischen den visuellen und musikalischen Höhepunkten.

Und um es direkt zu sagen: Das Essen ist in diesem Jahr für uns wieder eine absolute 10/10.

Dabei geht es längst nicht nur um hochwertige Zutaten. Entscheidend sind die Kombinationen: Vertraute Aromen werden anders zusammengesetzt, Erwartungen verschoben und bekannte Produkte aus ungewohnten Blickwinkeln präsentiert.

Rinderfilet trifft auf japanisch inspirierte Würze. Shiitake und Champignon werden zu einem aromatischen Cappuccino. Man meint zunächst zu wissen, was einen erwartet - und wird dann doch überrascht.

Das Menü bildet damit beinahe ein kulinarisches Gegenstück zum Bühnengeschehen. Auch hier zählen Kontraste, Texturen und Feinheiten, die manchmal erst beim zweiten Blick oder zweiten Bissen auffallen.

Vor allem aber geht es um Neugier.

Fantissima möchte nicht einfach nur satt machen. Die Küche soll Teil des Gesamterlebnisses sein. Deshalb fühlt sie sich nie wie eine bloße Unterbrechung zwischen den Showblöcken an, sondern wie eine zusätzliche Ebene des Abends - eine, die man schmecken kann.

Auch vegetarische und vegane Varianten sind längst keine bloßen Alternativen mehr. Sie folgen demselben Anspruch wie das klassische Menü und stehen ihm bei Präsentation und Raffinesse in nichts nach.

Details, die den Unterschied machen

Bei all den großen Momenten darf man nicht vergessen, warum Fantissima seit Jahren auf diesem Niveau funktioniert: wegen der Details. Da sind die Kostüme, die aus der Nähe beinahe wie eigenständige Kunstwerke erscheinen. Die präzise abgestimmten Bewegungen des Ensembles. Licht, das innerhalb weniger Sekunden einen ganzen Raum verwandeln kann. Nahtlose Übergänge. Und nicht zuletzt ein Service, der durch den gesamten Abend führt, ohne sich je in den Vordergrund zu drängen.

Alles greift ineinander. Nichts wirkt zufällig.

Gerade diese Konsequenz sorgt dafür, dass Fantissima trotz immer aufwendigerer Technik nie kühl oder steril erscheint. Im Gegenteil: Je größer die Bilder werden, desto wertvoller wirken die kleinen menschlichen Augenblicke. Ein Blick. Eine Geste. Ein Lächeln. Ein kurzer Kontakt zwischen Bühne und Publikum.

Vielleicht entsteht genau daraus jene besondere Nähe, die Fantissima trotz ihrer Größe bewahrt.

Fazit

Die neue Spielzeit wirkt mutiger, experimentierfreudiger und stellenweise überraschend anders. Mit frischen musikalischen Akzenten erhalten Viktoriia und Eugene mehr Raum, ihre Persönlichkeit zu zeigen. Tänzerisch wird es temperamentvoller, der Tango setzt eine intensive neue Farbe, und die 80s-Sequenz sorgt für einen wunderbar unerwarteten Gute-Laune-Moment.

Und dann ist da natürlich dieser vierte Showblock. Jener Augenblick, in dem die Sterne die Bühne verlassen. Wenn Drohnen und Tanz zu einer einzigen Choreografie verschmelzen, Licht über den Köpfen des Publikums schwebt und die Trennung zwischen Zuschauerraum und Spielfläche verschwindet, versteht man ziemlich schnell, warum Fantissima längst mehr ist als eine klassische Dinnershow.

Gleichzeitig erreicht die Küche in dieser Saison ein Niveau, das für uns zu den stärksten der vergangenen Jahre gehört.

Doch letztlich sind es gar nicht einzelne Acts oder Gänge, die Fantissima ausmachen. Entscheidend ist das Zusammenspiel. Aus Show und Kulinarik. Aus Perfektion und Emotion. Aus Tradition und Veränderung.

Fantissima schafft es nach all den Jahren noch immer, vertraut zu wirken - und einen trotzdem zu überraschen. Vielleicht ist das die größte Kunst: nicht einfach immer größer zu werden, sondern immer wieder andere Wege zu finden, dieses ganz besondere Gefühl entstehen zu lassen. Ein Gefühl, das beginnt, sobald man das Theater betritt. Und das noch lange bleibt, nachdem die letzten Sterne längst verschwunden sind…